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SPRACHGARBE - IM ANFANG WAR DAS WORT

gestalt

geschichte einer heimsuchung

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nach sieben jahren kehrte der teufel zurück. er kam in anderer gestalt, er trug ein anderes gewand, er lutschte fishermens friend, damit man den schwefel in seinem atem nicht roch, doch als er auf dem nachtlager, das ich ihm dem gastrecht gehorchend anbot, unter die bettdecke kroch, sah ich für den bruchteil einer sekunde seinen bocksfuss.

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es tut nichts zur sache, dass ich seinen bocksfuss sah, jetzt liegt er in meinem bett, und aus dem schlafzimmer dringt der schwefelige geruch seiner ausdünstungen schon bis in die küche, wohin ich mich not gedrungen zurückgezogen habe, um wenigstens ab und zu einen kaffee zu brauen und zu trinken.

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tagsüber streife ich durch die strassen, in der hoffnung, dass ich beelzebub treffe, damit er mir einen tipp gebe, aber die aktion citro gegen schwarze und drogendealer ist ihm wichtiger als mit meiner hilfe seinen kumpanen zu schikanieren.

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nachts erwache ich schweissgebadet, weil ich in die tiefen meiner erinnerungen hinabsteige, um die kellerräume nach alten büchern und verbotenen heilmitteln zu durchstöbern. es fruchtet nichts. nicht einmal auf den höhen des chasseral blinkt ein rettendes signal.

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ich werde ihn aushungern müssen. die belagerung wird meine kräfte über das mass strapazieren. wenn ich ausharre, wird er vielleicht am ende mit einem wilden fluch durch den fussboden zur hölle fahren und erst in sieben jahren in einem neuen gewand und noch eine spur heimtückischer mich aufsuchen, um meiner seele habhaft zu werden.

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schlimmer als der teufel sucht mich dieser engel heim.

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er zündet kerzen an in jedem zimmer, wohlgeruch betört mich, und wenn ich nicht aufpasse, brennt die tischdecke oder ein vorhang und das ganze haus steht in flammen, weil ich blind bin von seinem licht und nicht sehe und nicht höre, nur einfältige worte lalle, wie ein kleinkind im mutterschoss mich bade in glückseligkeit und entzücken, nicht einmal mehr fähig, ein spiegelei zu braten oder ein stück brot zu schneiden.

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wie ein tumber tor stolpere ich durch die strassen, weil ich nur sie suche in allen gesichtern, und wenn die nacht kommt, krieche ich in mein bett und presse schluchzend den kopf ins kissen, und in den träumen schwimme ich betrunken durch die weltmeere, und der neue tag ist öd und leer, bis ich ihre stimme höre und ihre augen sehe, und wenn sie da ist, bin ich zu nichts mehr fähig, ich stammle und stottere und stolpere über meine eigenen füsse, und wenn ich wieder aufstehe, tröstet mich ihr lachen, aber es hilft nichts, ich kann keinen klaren gedanken fassen, nicht wenn sie da ist, und noch weniger, wenn sie fehlt.

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es ist schrecklich und schön.

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regen tropft von der zimmerdecke, mein zimmer ist kalt und leer, in den pfützen am boden spiegelt sich mein gesicht. alle strassen stehen unter wasser, vierzig tage und vierzig nächte hat es geregnet, kein hund ging mehr nach draussen.

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im schein einer taschenlampe habe ich den freunden mein leben erzählt, in feuchten kleidern sassen sie da und hörten mir zu, wir ernährten uns von wasser und schimmeligem brot. morgen wird die sonne nach vierzig tagen und vierzig nächten endlich wieder aufgehen, und bald wird die welt und alles wieder sein, wie es war.

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einzig meine seele wird dunkler leuchten in einem wärmeren licht, und vielleicht wird teufel sich zweimal überlegen, ob er sie noch will.